Volle Kanne live nach neun

Jahrelang hatte das ZDF den Sendeplatz nach dem „Morgenmagazin“ quasi für sich allein. Ingo Nommsen und Co saßen bei „Volle Kanne“ am Frühstückstisch und plauderten mit einem prominenten Gast über alles Mögliche. Zwischendurch noch Servicethemen rund ums Leben.

Jetzt will die ARD auch so etwas haben und startete heute ihr neues Vormittagsmagazin Live nach neun. 45 Minuten live statt Wiederholungen von „Sturm der Liebe“ und Ähnlichem. Inhaltlich macht man es anders als das ZDF und berichtet über Dinge, die bewegen, und zeigt Menschen aus dem Leben. Moderiert wird das Magazin von Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin Isabel Varell und KiKa- Moderator Tim Schreder. Man versucht durch die Moderatorenkombination die jüngere und ältere Generation abzubilden.

Das Thema der ersten Woche ist „Neuanfang“, weil es zum neuen Magazin passt. Zum Sendungskonzept zählt die Zuschauerbeteiligung. Man will die Geschichten der Zuschauer hören und aufarbeiten. So wird in der ersten Sendung, passend zum Wochenthema, ein Handyvideo von einer Frau gezeigt, die seit einer Woche im Berufsleben steht. Wen auch immer das interessieren soll. Die weiteren Themen sind die „Üblichen“ Themen solcher Sendungen. Vom Abstieg des HSV am Wochenende wechselt man zum Wetter, wo eine Meteorologin die Unwetter vom Wochenende erklärt und schaltet dann zu den Bundesjugendspielen von Grundschülern, weil man das früher auch nicht mochte. Ich erwarte in den nächsten Ausgaben dann Themen, wie „Warum es im Sommer warm ist“ oder „Warum man den Matheunterricht gehasst hat“.

Boulevard gibt es natürlich auch. Im Einspieler dafür wechselt man von einem freizügigen Kleid zu Stefanie Hertel, die bei einer MDR-Veranstaltung einen Kuchen nach dem Rezept von ihrer verstorbenen Mutter bekommen hat. Weiter geht es zur Geburt von Anne-Marie Carpendale, die ihr erstes Kind bekommen hat und dem 20. Todestag von Frank Sinatra. Es plätschert alles so vor sich hin.

Wer den Beitrag über die Bundesjugendspiele schon langweilig fand, wird bei dem Beitrag zum Mopsrennen fast sediert.

Als Letztes wird dann noch der Eurovision Song Contest aufgegriffen und es wird zu einer Frau vor Ort „geschaltet“. Geschaltet kann man nicht sagen. Es wird ein Tablet abgefilmt, obwohl man zwei große Monitore im Studio hat. Ja, es soll alles nicht so starr wirken und man will verschiedene Medien einbringen, aber man muss es auch nicht übertreiben.

Die sonstige Starre von solchen Sendungen will man scheinbar auch durch die Kameraführung aufheben. So filmt man viel mit einer Handkamera, die aber so sehr wackelt, dass ich mich an alte MTV und Viva Zeiten zurückerinnere. Selbst die Kameras mit Stativ zeigen kein festes Bild. Während sie im On sind, wird mal der Zoom oder Bildausschnitt geändert.

Auch die Moderation versucht die Starre aufzuheben. Die Sendung wirkt sehr frei gestaltet. Die Themen stehen fest, aber die Moderationen dazu sind frei und improvisiert. Da wird dann auch schon mal eine kurze private Geschichte erzählt. Die Abstimmung unter den beiden Moderatoren ist noch schwierig bzw. merkt man Isabell Varell die Erfahrung an. Tim Schreder fällt sehr oft Isabell Varell ins Wort oder will noch unbedingt die Geschichte erklären. Vielleicht ist es auch nur die Aufregung der ersten Sendung gewesen.

Positiv kann man noch sagen, dass das Studio nicht nur aus dem IKEA-Sortiment stammt. Warum eine Badewanne und ein Fahrrad im Studio stehen, erschließt sich mir allerdings noch nicht.

Fazit:

Die Themen wirken wie in einer langjährigen Sendung, die schon über alles berichtet hat und keine Themen mehr findet. In einer ersten Sendung schon so schwache Themen haben, deutet auf nichts Gutes hin, wenn das Sommerloch richtig zugeschlagen hat.

Technisch fehlen noch kleine Abstimmungen, was man in der ersten Sendung verschmerzen kann, wenn ein Bumper zu früh abgefahren wird.

1 Kommentar

  1. Die Beiträge sind interessant. Tim Schreder kommt sehr sympatisch rüber. Isabel Varell dagegen nervt mit ihrer hyper aktiven Art.

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