Gilmore Girls – Ein neues Jahr ACHTUNG SPOILER!

Die Gilmore Girls. Was soll ich dazu schreiben. Ich liebe die Serie und kenne alle Folgen auswendig. Deshalb habe ich mich gefreut, als es hieß, dass die Gilmore Girls noch einmal zurückkommen. Vier 90 Minuten Filme, die jeweils in einer Jahreszeit spielen, sollte es geben. Zehn Jahre nach dem Ende der sieben Staffeln. Was ist passiert in der Zeit?

ACHTUNG SPOILER!

Dieser Text enthält Spoiler. Lesen auf eigene Gefahr.

In der letzten Folge der siebenten Staffel sahen wir, wie Rory einen Job als Journalistin bei der Wahlkampfreise von Barack Obama bekam und die Stadt verlässt. Lorelai ebenfalls ihr Glück und kommt wieder mit Luke zusammen. Ein Happy End. Selbst das dritte Gilmore Girl Emily findet am Ende einen versöhnlichen Abschluss, weil ihre Tochter wieder jeden Freitag zum Dinner kommt.

Wie sieht es fast 10 Jahre später aus?

Wie ist es Rory ergangen? Hat sie eine eigene Familie? Sind Lorelai und Luke noch zusammen? Alles Fragen, die nach der Staffel sieben aufkamen, weil man wissen wollte, wie es weitergeht, nachdem man die beiden so viele Jahre begleitet hat.

Mittlerweile ist Rory Anfang 30. Sie hat seit zwei Jahren eine Beziehung mit Paul, den sie ständig vergisst und mit dem sie endlich Schluss machen will, es aber ebenfalls ständig vergisst. Außerdem hat sie noch eine Affäre mit Logan, der in London lebt und mit einer anderen Frau verlobt ist. Rory reist ständig von London nach New York und nach Stars Hollow, hat 14 Smartphones und scheint ständig beschäftigt zu sein. Einen richtigen Job hat sie allerdings nicht. Sie tritt auf der Stelle, wohnt mal hier und dort.

Lorelai ist noch immer mit Luke zusammen. Ihr Hotel läuft und trotzdem ist sie nicht zufrieden. Auch sie scheint auf der Stelle zu treten und auf der Suche zu sein. Sookie kocht seit zwei Jahren nicht mehr im Hotel, Michel ist kurz davor das Hotel zu verlassen, weil er mit der Arbeit nicht ausgelastet ist. Lorelai fragt sich, wie es weitergehen soll in ihrem und Lukes Leben. Sollen die beiden noch ein Kind bekommen? Was passiert mit dem Hotel? Wie soll es weitergehen?

Auch in der Stadt ist die Fröhlichkeit nicht mehr die, die sie vor zehn Jahren ausstrahlte. Die Einnahmen der Stadt gehen zurück und nur die B-Promis eines Filmdrehs wohnen im Dragonfly in.

Und auch Emily geht es nicht gut, nachdem Richard gestorben ist (der Darsteller Edward Herrmann starb Ende 2014). Sie versucht den Verlust zu kompensieren. Dass sie das Hausmädchen nicht versteht und diese ihre komplette Familie mit ins Haus bringt, stört sie nicht. Emily will das Haus entrümpeln und am Ende verkauft sie sogar das Haus und zieht nach Nantucket, wo man sie in einem Walfangmuseum arbeiten sieht. Ein ganz anderes Bild von ihr. Nicht mehr die strenge Lady, die Veranstaltungen plant und für die immer alles perfekt sein muss.

Insgesamt zeichnet sich ein sehr negatives Bild nach zehn Jahren ab. Es ist nicht mehr die Fröhlichkeit, die die Serie sonst ausstrahlte. Sicherlich gab es auch in den Staffeln negative Phasen. Diese waren aber nie so düster, wie jetzt. Rory ohne Job und Perspektive. Lorelai geht es nicht anders. Sie geht sogar in die Wildnis wandern, um dort den Kopf freizubekommen. Bis sie auf einem Hügel in wunderschöner Natur steht und ihr alles klar wird. Sie ruft ihre Mutter an und erzählt ihr von ihrem schönsten Geburtstag mit ihrem Vater, was Emily glücklich stimmt. Zu Hause angekommen beschließt Lorelai die Hochzeit mit Luke anzugehen. Außerdem kauft sie ein Haus, um das Hotel zu erweitern. Alles dreht sich zum Positiven. Sogar Sookie taucht auf und hat die Hochzeitstorten gebacken. Am Abend vor der eigentlichen Hochzeit heiraten beide im Stadtpavillon. Die Stadt erstrahlt in Tausenden Lichtern. Lorelai hat ihr Ziel erreicht.

Rory hingegen ist noch nicht angekommen. Sie weiß aber was sie will. Ein Buch schreiben, dass von ihrem Leben und das ihrer Familie handelt. Den perfekten Schreibplatz findet sie im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Großvaters. Sie ist entschlossen. Erst in der letzten Szene, der letzte Satz, verändert wieder alles. Rory ist schwanger. Das war’s mit der Serie. Wir werden nie erfahren, wer der Vater (es stehen einige zur Auswahl) ist und wie es weitergeht.

Es waren nicht mehr meine Gilmore Girls. Es war zu negativ. Dennoch war es schön zu sehen, dass es weiterging und wie sich die einzelnen Charaktere entwickelt haben. Kleine Anspielungen in den Szenen, Rückblicke in die vorherigen Staffeln und die Stadt, die sich nicht verändert hat (seit wann haben die ein Schwimmbad?).

Rorys Leben passt nicht zu ihr. Sie war immer strebsam und jetzt bekommt sie keinen Job? Das hatte sich nach dem College schon abgezeichnet, aber der Zuschauer war sich klar, dass sie es trotzdem schafft. Dann eine Affäre mit Logan und ein One-Night-Stand mit einem wildfremden? Das passt nicht zu ihr. Man hätte gedacht, dass sie Chefreporterin bei der New York Times ist, Kinder hat und mit Logan/Jess verheiratet ist. Selbst Paris ist näher an dem Leben, was man sich für Rory gewünscht hat. Paris hat zwei Kinder, hat Doyle geheiratet und sich scheiden lassen und arbeitet erfolgreich in einer Organisation, die Leihmütter vermittelt.

Auch die Umsetzung der Szenen war eine andere. Komische Kamerafahrten und andere Synchronstimmen, die nicht recht zur Person passten. Zu Emily hätte die Stimme von Naomi besser gepasst. Auch die ständig laut und unnatürlich vibrierenden Smartphones und das Internet in Luke’s Diner störten. Die Dinge waren früher weniger im Mittelpunkt. Auch das krampfhafte Einbauen der alten Charaktere war meist überflüssig. Die Szene mit Rorys Vater, war eine dieser Szenen. Auch die Szene mit Dean war überflüssig und man brachte sie nur rein, damit man noch mal alle Freunde von Rory in der Serie hat. Jess hatte als Ideengeber für Rory immerhin noch eine Aufgabe und Logan als Liebhaber sogar eine sehr große Rolle.

Vor allem störte mich die Fixierung auf den Tod von Richard. Es war klar, dass dies eingebaut werden muss, er war, trotz seiner Abwesenheit, sehr präsent in allen vier Folgen, zu präsent. Man nahm seinen Tod zum Anlass, dass sich die Leben der drei Gilmore Girls verändern müsse.

Und jetzt?

Die Nachricht am Schluss lässt den Zuschauer mit Fragen zurück. Was passiert jetzt? Wer ist der Vater? Das soll das Ende sein? Kommt noch eine zweite Staffel? Fragen über Fragen.

Ich weiß noch nicht so richtig, was ich von den vier neuen Folgen der Gilmore Girls halten soll. Ich muss sie mir noch mal ansehen und sacken lassen. Auf dem ersten Blick würde ich schon fast sagen, dass sie es bei den sieben Staffeln bleiben hätten lassen sollen. Der Fan in mir sagt, dass ich mehr sehen will und wissen will, wie es jetzt mit Rory weitergeht.

2 Kommentare

  1. DieFernschauerin

    26. November 2016 at 21:19

    Ja, die Jobchancen sind schwierig, aber als Yale Abolventin und top ausgebildet, sollte sie weniger Probleme haben. Oder sie sollte selbst auf die Idee kommen ein Buch zu schreiben, wobei ich die Szene mit Jess sehr gelungen finde. Es war wie damals, als Jess sie wieder zum Studieren gebracht hat.

    Ich fand, dass man Lorelai ihre fast 50 ansah und ich glaube da wurde auch ein bisschen nachgeholfen oder eine sehr gute Maske. Auch bei Luke wurden u.a. Haare gefärbt. Wenn man ihn in Interviews sieht sind die Haare grauer und auch weniger.

    Ich weiß auch wie es in Cafes 2015 aussieht, aber bei Luke ist es anders. Es gibt sogar ein neues Schild neben dem Schild, dass Handys verboten sind, stehen jetzt noch einige Ergänzungen z.B. Kopfhörer, die so laut sind, dass auch andere die Musik hören.

    Ich verstehe auch, dass sich eine Familie verändert, wenn jemand stirbt. Es war für mich aber ein Tick zu viel. Vielleicht auch, weil … du weißt warum.

    Ich bin gespannt, ob es weitergeht.

  2. Ich fand es gar nicht so ungewöhnlich, dass Rory keinen Job hat, muss ich sagen. Als Journalistin hat man heutzutage nicht mehr so die Chancen, wie vor der Erfindung von Tablets und Smartphones. Dadurch, dass sich das sogar mit Ende der eigentlichen Serie abgezeichnet hatte, noch weniger wunderlich.

    Ich fand ja verblüffend, dass Lorelei, also Lauren Graham, jünger aussah als Rory (Alexis Bledel). Letztere sieht ungesund aus.

    Das mit dem One-Night-Stand wurde aber auch gesagt, dass es nicht zu ihr passt. Ich denke, so wie es rüberkam, dass es einfach aus dem Frust raus passiert ist und sie dachte, dass sich ihr vielleicht neue Optionen bieten, wenn sie man etwas Verrücktes macht.

    Am besten von allen, ist tatsächlich Paris getroffen. Genau sowas habe ich erwartet.

    Das mit dem Internet … welcome to 2016. Genau so sieht es in Diner heutzutage aus. Gleiches Bild in Cafés. Es ist wirklich nicht so ungewöhnlich.

    Und ich kann das mit dem Grandpa verstehen. Ich habe sehr viel davon in meiner Familie wieder erkannt, der es ähnlich erging, nach dem Tod meines Opas. Dadurch haben sich auch viele Geschichten geändert. Genau wie das mit der Therapie, was ja schon während der Serie notwendig gewesen wäre, war authentisch.

    Wo ich dir jedoch zustimme, ist das mit den Kamerafahrten. Aber das kenne ich schon von diversen Netflix-Originals. Die sind alle so.

    Der Director meinte mal “Was bedeutet ‘Ende’ schon? Du bist in deinem Leben auch nicht plötzlich am ‘Ende’ angekommen. Das Leben geht immer voran, da gibt es kein wirkliches Ende.”

    Wir können abwarten, was passiert. Vielleicht ist der Erfolg so groß, dass sie eine weitere Staffel abdrehen. Vielleicht auch nicht. Gilmore Girls lebt ja irgendwie von diesen offenen Enden.

    Am besten war das mit dem Buch. Ich habe sowas mit der ersten Folge fast erwartet, warum auch immer. Und es war etwas witzig, als Lorelei die Facebook-Anspielung gemacht hat mit “The”.

    Mir haben die Folgen gefallen, auch, wenn sie anders waren. Aber allein aus Nostalgie-Gründen war ich glücklich wieder in Stars Hollow zu sein. Ich war am Ende auch traurig. Und die vielen Parallelitäten, die ich in meinem Leben gefunden habe, war es oft noch trauriger/bewegender.

    LG Heffa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

© 2018 Die Fernschauerin

Theme von Anders NorénHoch ↑