Das Fernsehen wird oft als das Lagerfeuer des Wohnzimmers beschrieben. Die gesamte Familie sitzt vor dem Fernseher und redet über das Gesehene. 1928 fand erstmals in Berlin eine öffentliche Fernsehübertragung statt. Es dauerte bis 1935 bis das Fernsehprogramm regelmäßig in Deutschland ausgestrahlt wurde. Von einem 24 Stunden Programm, wie es heute ist, war man noch weit entfernt. Damals wurden an drei Tagen in der Woche von 20.00 bis 22.00 Uhr Sendungen ausgestrahlt (Vgl. Grisko 2009, S. 324.).

Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurden zum ersten großen Fernsehevent, des neuen Mediums. Noch nicht zu Hause vor dem Fernseher, sondern in Fernsehstuben mit vielen anderen Personen zusammen. Der Zweite Weltkrieg verhinderte zunächst den Erfolg des Fernsehens in Deutschland. Erst nach dem Krieg etablierte sich das Fernsehen in Deutschland und in den Wohnzimmern der Familien.

Die Nachkriegszeit

Zwischen 1948 und 1950 entwickelten sich aus Besatzungshörfunksendern die öffentlich-rechtlichen Anstalten (Vgl. Koch-Gombert 2005, S. 34.). Der 25. Dezember 1952 datiert den Senderstart des NWDR (Nordwestdeutsche Rundfunk) und damit das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Nachkriegszeit in Deutschland. Es wurden zwei Stunden am Abend und ein 30- bis 60-minütiges Nachmittagsprogramm gesendet (Vgl. Koch-Gombert 2005, S. 34.).

Aus den Gründungsanstalten NWDR, BR (Bayrischer Rundfunk), HR (Hessischer Rundfunk), RB (Radio Bremen), SDR (Süddeutscher Rundfunk), SWR (Südwestfunk ) gründete sich dann am 9. Juni 1950 die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) (Vgl. ARD 2013). Erst ein paar Jahre später nahm das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) am 1. April 1963 seinen Sendebetrieb auf (Vgl. ZDF 2013).

Mit dem Wirtschaftswunder wurden Fernseher für viele Menschen erschwinglich und hielten somit Einzug in die Wohnzimmer. Der Zuschauer konnte nun auch audiovisuell am Weltgeschehen teilhaben und gleichzeitig privat in seinem Wohnzimmer sein (Vgl. Hickethier 1998, S. 61).

In den 60er Jahren breitete sich das Fernsehen weiter in den Haushalten aus. Der Fernsehapparat wurde zum Einrichtungsgegenstand und das gemeinsame Fernsehen zum Treffpunkt mit der Familie und Freunden. Es etablierten sich Rituale, wie beispielsweise das Schauen der Nachrichten am Abend, der Tatort am Sonntag oder die Unterhaltungsshow am Samstagabend. Alltagshandlungen wurden allmählich an den Ablauf des Fernsehprogramms ausgerichtet (Vgl. Hickethier 1998, S. 204f). Die Frau bügelte während der Fernseher lief oder beim Abendessen lief die Tagesschau. Am Sonntagabend ist  der Tatort bis heute nicht wegzudenken. Das Sofa steht gegenüber dem Fernseher, die Fernbedienung liegt auf der Lehne des Sofas oder auf dem Sofatisch, ein klassisches Fernsehdispositiv, also dem typischen Aufbau eines Wohnzimmers.

Das Privatfernsehen

Am 1. Januar 1984 veränderte sich die Fernsehlandschaft in Deutschland. Mit PKS (Vorläufer von Sat. 1) und RTLplus erschienen die ersten kommerziellen Sender auf dem Bildschirm (Vgl. Koch-Gombert 2005, S. 45). Noch in einem begrenzten Sendegebiet und mit nur wenige Hundert Zuschauern startete das Programm zunächst (Vgl. Kogel 2002, S. 66). Das Sendegebiet wurde erst nach und nach vergrößert. Anders als bei den öffentlich-rechtlichen Programmen erfolgte die Finanzierung der neuen Sender über Werbung, was ein vollkommen neues Fernsehgefühl hervorbrachte. Filme, Shows und Serien wurde durch kleine Filmchen unterbrochen, was man von den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht gewohnt war, obwohl  es dort ebenfalls Werbung gab, aber nie in diesem Umfang.

Das Fernsehen veränderte sich nach und nach. Die Sendevielfalt stieg an und damit die Wahlmöglichkeit bei den Zuschauern und der Kampf um die Einschaltquote.

Eine weitere Veränderung hat das Fernsehen in den letzten Jahren vollzogen. Durch das Internet wurde es möglich, Fernsehinhalte nicht mehr nur über den klassischen Weg über das Fernsehgerät abzurufen. In den Mediatheken kann der Fernsehcontent, der einzelnen Sender, abgerufen werden. Das ZDF stellte seine Mediathek 2001 auf der IFA vor. 2007 ging sie online (Vgl. Wirtz 2009, S. 462). Die Mediathek der ARD folgte 2008 (Vgl. Wirtz 2009, S. 460). Die anderen Sender folgten. Von nun an war es möglich Fernsehinhalte nicht mehr nur linear zu gucken, was vorher nur durch den Videorekorder möglich war. Mittlerweile gibt es “Fernsehsender”, die nur noch im Internet senden.

Quellen:

ARD (2013): ARD gegründet. Online verfügbar unter http://web.ard.de/ardchronik/index/5438?year=1950&month=6, zuletzt geprüft am 09.07.2013.

Grisko, Michael (Hg.) (2009): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens. Stuttgart: Reclam (Reclams Universal-Bibliothek, 18674).

Hickethier, Knut: Hoff, Peter (1998): Geschichte des deutschen Fernsehens. Stuttgart: Verlag J.B. Metzler.

Koch-Gombert, Dominik (2005): Fernsehformate und Formatfernsehen. TVAngebotsentwicklung in Deutschland zwischen Programmgeschichte und Marketingstrategie. München: M Press (Forum Kommunikation und Medien, 4).

Kogel, Fred (2002): Privatfernsehen. In: Hans W. Geissendörfer und Alexander Leschinsky (Hg.): Handbuch Fernsehproduktion. Vom Skript über die Produktion bis zur Vermarktung. Neuwied: Luchterhand, S. 66–69.

Wirtz, Bernd W. (2009): Medien- und Internetmanagement. 6. Aufl. Wiesbaden: Gabler (Lehrbuch).

ZDF: Geschichte des ZDF. Online verfügbar unter http://www.zdf.de/Geschichte-des-ZDF-26199326.html, zuletzt geprüft am 09.07.2013.