Was ist nur aus dem deutschen Fernsehpreis geworden? Ein Fernsehpreis, der nicht im Fernsehen übertragen wird. Es gibt nur eine dreiviertelstündige Zusammenfassung, die schlecht zusammengeschnitten ist und wenig von der Veranstaltung und dem Preis zeigt. Schon im letzten Jahr gab es den Preis nur in einer Zusammenfassung. Damals nur 30 Minuten. In diesem Jahr immerhin 45 Minuten. 2015 gab es überhaupt keinen Preis. Seit Jahren gibt es Kritik am Preis. Die langweilige Veranstaltung ist einer dieser Kritikpunkte.

In den letzten beiden Jahren hat Barbara Schöneberger den Preis moderiert. Sie moderiert zurzeit im Fernsehen alles weg, was nicht bei drei im Nachtprogramm der Spartenkanäle ist. Sie bringt den nötigen Witz in die Veranstaltung. Gute relevante Kategorien, keine einschläfernden und langen MAZen, bisschen Musik und schon kann man das live senden. Es ist eine Preisverleihung und es wiederholt sich. Das liegt in der Natur der Sache. Nominierte werden vorgestellt, Laudatio, Gewinner holt sich den Preis ab, Dankesrede und weiter geht es mit der nächsten Kategorie. Bei den Oscars ist das auch nicht anders. Da ist die Eröffnung spannend und dann kommen stundenlang die Preise. Zwischendurch ein bisschen Musik.

Schlechte Einschaltquoten werden bei solchen Preisverleihungen gerne vorgeschoben, dass man die Preise nicht mehr live zeigt oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Warum soll ich mir eine Preisverleihung angucken, wenn ich die Gewinner schon nach Sekunden über die Newsticker erfahre? Bei einer Liveshow kann ich selbst vor dem Fernseher sitzen und sehen, wer gewinnt. Das Mitfiebern fehlt.

Der Zuschauer bekommt nur eine Zusammenfassung, die dem Preis nicht würdig ist. Das Boulevardmagazin Leute heute ist dafür verantwortlich. Klar, die beschäftigen sich Tag ein Tag aus mit der Promiwelt und den Sternchen, aber was da zusammengeschnitten wurde, war nichts. Fünf Minuten vom roten Teppich, ein paar Stimmen von den Nominierten und von mir aus auch ein paar Kommentare zur Mode auf dem roten Teppich. Dann die Eröffnung der Veranstaltung und schon geht es zur ersten Kategorie(n) – man hat ja nur 45 Minuten für die Zusammenfassung. Mehrere Kategorien werden zusammengefasst und am Ende steht Jan Böhmermann auf der Bühne und dankt der den Preis der Rechtsschutzversicherung des ZDF und dem Justiziariat widmet. Noch ein paar Stimmen vom roten Teppich. Warum? Horst Lichters Frau hat ihm die Sachen herausgelegt und er zieht sie an. Ach, interessant. Nein. Joko und Klaas bekommen einen Preis und halten ihre Dankesrede. Kurz darauf stehen sie vor der Halle und beantworten ein paar Fragen. Wieder Fragezeichen in meinem Gesicht. Nach dem roten Teppich und vor der Veranstaltung gibt es einen Sektempfang, aber die Gäste trinken meist Wasser oder andere nicht alkoholhaltige Getränke. Das fällt unter die Kategorie „Dinge, die ich schon immer wissen wollte“. Man könnte ja mal wieder eine Preisübergabe zeigen. Der Nachwuchspreis wird wie immer überraschend inszeniert und die Preisträger gucken verdutzt in die Kamera. Nur noch 10 Minuten Sendung. Schnell ein paar Preise und wir müssen noch den Schauspieler, die Schauspielerin und den Ehrenpreis zeigen.

Es war alles lieblos zusammengeschnitten. Klar, unter Zeitdruck ist das manchmal nicht leicht, aber das war nichts. In den nächsten Jahren will ich die Preisverleihung wieder live im Fernsehen sehen und in voller Länge.